Die globalisierte Welt wird Europa weiter fordern. Nach außen grenzt die EU an Zonen geringerer Stabilität. Die prägenden Koalitionen und Konstellationen werden sich verändern, eine neue innere Balance der Interessen und Ansprüche wird erforderlich und fordert die Kompromissfähigkeit heraus. Dies verlangt eine vertrauensvolle Politik der Entwicklung und Partnerschaft, nicht zuletzt mit den Mittelmeeranrainerstaaten. In der deutschen öffentlichen Meinung findet seit vielen Jahren die Auffassung, außen- und sicherheitspolitische Fragen besser im Verbund mit anderen anzugehen, stabile Mehrheiten. Dies gilt gleichermaßen auch für die anspruchsvolle Agenda globaler Nachhaltigkeit. Das gemeinsame Handeln in einer Europäischen Energie- und Klimapolitik oder in der Reaktion auf die Finanzkrise ist die Voraussetzung für die Sicherung der Interessen und Anliegen Deutschlands wie der anderen Mitgliedsstaaten.
Europa ist nicht der Ort der kleinen Dinge. Wohlfahrt und Sicherheit, klassische und elementare Leistungsbereiche des Staates, sind heute ohne die EU nicht mehr zu erbringen. Damit gehören die Politik der Integration, ihre Verfahren und Institutionen zur Substanz und nicht zum Ornament des Politischen in Europa. Jedes große Thema der Gesellschaften auf dem Kontinent enthält zugleich eine Anfrage an den Gestaltungsbeitrag der EU, da kaum eine Frage den Zusammenhang der Europäer unberührt lässt.