Auch in der hoch individualisierten und hoch mobilen Welt des 21. Jahrhunderts ist es die Familie, der für die Menschen zentrale Bedeutung zukommt. Sie ist weiterhin eine der wichtigsten sozialen Institutionen. Für fast 90 Prozent der Bevölkerung steht die Familie an erster Stelle ihrer persönlichen Prioritäten. Auch unter jungen Menschen genießt sie hohe Wertschätzung: 72 Prozent der 12- bis 25-Jährigen sind der Meinung, dass man eine Familie zum Glücklichsein braucht.
Doch die Vorstellungen darüber, wie eine Familie typischerweise auszusehen hat, sowie die Struktur der Familie haben sich im Zuge des sozialen Wandels stark verändert. In der traditionellen bürgerlichen Familie versorgte ein auf Dauer verheiratetes Ehepaar mehrere Kinder in strikter Rollentrennung: der Vater als berufstätiger Ernährer, die Mutter als Hausfrau. Dieses „Ernährermodell“ wird auch noch gelebt – zum Beispiel solange die Kinder noch klein sind –, aber es ist nicht mehr die vorherrschende Lebensform.
Die Formen des Zusammenlebens sind erheblich vielfältiger geworden. Die Freiräume, zwischen verschiedenen Familienformen zu wählen oder auch ganz auf eine Familie zu verzichten, haben sich signifikant erweitert. Das hat nicht unerheblich mit der Gleichberechtigung und der veränderten Rolle der Frau zu tun: Rund 65 Prozent der Mütter sind berufstätig, gleichzeitig sind die Familien kleiner geworden. Ein-Kind-Familien tauchen häufiger auf als Familien mit drei und mehr Kindern. Am verbreitetsten ist die Zwei-Kind-Familie. Auch ein Leben ohne Kinder – als Paar oder allein – wird immer öfter geführt. 2008 war jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren kinderlos geblieben.