Ambitionierte Spitzenforschung

Noch nie waren die Investitionen in Forschung und Entwicklung so hoch wie heute
Noch nie waren die Investitionen in Forschung und Entwicklung so hoch wie heute Thomas Ernsting/laif
Deutschland investiert bewusst in Forschung und Wissenschaft und stellt eine exzellente Forschungsinfrastruktur. Die großen Forschungseinrichtungen haben weltweit Renommee.

Wissenschaft und Forschung genießen in Deutschland hohen Stellenwert. Sowohl die Wirtschaft als auch die Politik steigerten in den vergangenen Jahren kontinuierlich die Budgets für Wissensarbeit. 2013 betrug der Anteil der Forschungs­ausgaben am Brutto­inlandsprodukt (BIP) 2,84 Prozent. Damit rangiert Deutschland international in der Spitzengruppe der Länder, die mehr als 2,5 Prozent ihres BIP für Forschung und Entwicklung (FuE) investieren. Insgesamt wurden in Deutschland 2013 knapp 80 Milliarden Euro für FuE aufgewendet. Dabei schultert die Industrie rund 67 Prozent der Forschungs­ausgaben, die Hochschulen tragen 18 Prozent und der Staat 15 Prozent bei. Die Studie „Innovation Union Scoreboard 2015“ der Europäischen Kommission listet Deutschland ­zusammen mit Schweden, Dänemark und Finnland in der Spitzengruppe der Innova­tionsführer der Europäischen Union (EU). Im weltweiten Vergleich entfallen 7 Prozent der globalen FuE-Ausgaben auf Deutschland, obwohl es nur 1,2 Prozent der Weltbevölkerung stellt. Die Industrieunternehmen in Deutschland erhöhten ihre Ausgaben für FuE zwischen 2010 und 2013 um mehr als 22 Prozent auf über 57 Milliarden Euro und investierten damit mehr denn je in Innovation. Die Bundesregierung hat von 2005 bis 2015 ihre Ausgaben für Bildung und Forschung um 65 Prozent erhöht. 2015 stehen 15,3 Milliarden Euro im Etat für Bildung und Forschung zur Verfügung, bis 2017 ist ein weiteres Wachstum um 25 Prozent geplant.

dpa/Gambarini

Die Ergebnisse deutscher Wissenschaftler lassen sich sehen: Im Ende 2014 veröffentlichten „Nature Index Global“, der die Publikationsleistung von Forschungseinrichtungen und Hochschulen auswertet, erreicht Deutschland die beste Wertung in Europa. Im weltweiten Vergleich kommt es auf Platz drei nach den USA und China. Mit der ressortübergreifenden Hightech-­Stra­tegie hat Deutschland seit 2006 ein besonderes Innovationsinstrument entwickelt. Aus Forschungsprojekten der Hightech-Strategie sind seitdem viele Neuentwicklungen entstanden – von energiesparenden LED-Leuchten bis zur mitwachsenden Herzklappe. Anfangs richtete die High­tech-Strategie ihren Blick vorrangig auf das Marktpotenzial konkreter Technologiefelder, seit 2010 fokussiert sie auf den gesellschaftlichen Bedarf an zukunftsfähigen Lösungen und deren Realisierung.

2014 wurde die Hightech-­Strategie neu definiert: Sie soll Forscher dabei unterstützen, Themen mit Zukunftspotenzial aufzugreifen und gute Ideen schnell in Innovationen zu übersetzen. Sechs thematische Schwerpunktfelder dienen als Orientierung: Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Nachhaltiges Wirtschaften und Energie, Innovative Arbeitswelt, Gesundes Leben, Intelligente Mobilität und Zivile Sicherheit. Im Rahmen der High­tech-­Stra­tegie sind in drei Wettbewerbsrunden 15 Spitzencluster ausgewählt worden, die besondere Förderung erhalten. 2014 ergab eine Evaluation, dass an den Spitzenclustern 900 Innovationen, 300 Patente, 450 Dissertationen und Habilitationen, 1.000 Bachelor- und Masterarbeiten und 40 Unternehmensausgründungen entstanden. Insgesamt arbeiten in Deutschland mehr als 800 öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen. Das Rückgrat der Forschungslandschaft bilden neben den Hochschulen vor allem vier große außer­universitäre Forschungsorganisationen.

Exzellente außeruniversitäre Forschungsinstitutionen

Die 1948 gegründete Max-Planck-Gesellschaft ist das wichtigste Zentrum der Grundlagenforschung für Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften außerhalb der Universitäten. 5.600 Forscher, unter ihnen 40 Prozent internationale Wissenschaftler, arbeiten an den 78 Max-Planck-Instituten in Deutschland und fünf weiteren Instituten in den Niederlanden, Luxemburg, Italien und den USA. Seit ihrer Gründung wurden 18 Nobelpreise an Forscher der Max-Planck-­Gesellschaft vergeben. Sie ist die Nummer zwei und die einzige europäische Forschungs­einrichtung unter den ersten zehn im weltweiten ISI Citation Index der meistzitierten Forschungsarbeiten in 22 Feldern. Die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt Spitzenforschung in den sechs Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr, Schlüsseltechnologien und Materie. Dabei konzentrieren sich die Helmholtz-Wissenschaftler auf Systeme von hoher Komplexität. Mit 14.700 Wissenschaftlern und 6.200 Doktoranden an den 18 unabhängigen Helmholtz-Zentren, darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit allein 16 deutschen Standorten, ist sie Deutschlands größte Forschungsorganisation.

Die Fraunhofer-Gesellschaft gilt mit 67 Instituten als die größte Einrichtung anwendungsorientierter Entwicklung in Europa. Ihre wichtigsten Forschungsfelder heißen Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität, Energie und Umwelt. Mit Tochterunternehmen, Büros und Kooperationen in neun europäischen, je zwei nord- und süd­amerikanischen, sieben asiatischen, drei afrikanischen und arabischen Ländern sowie in Australien ist sie global aktiv.

Unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft versammeln sich 89 selbstständige Forschungseinrichtungen, deren Ausrichtung von den Natur-, Inge­nieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften reicht. Ein übergreifender Schwerpunkt der 9.200 Forscher liegt im Wis­sens­transfer in Richtung Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Für die Förderung von Wissenschaft und Forschung ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zuständig, Europas größte Organisation dieser Art. Die DFG unterhält neben ihrer Zentrale in Bonn Büros in China, Japan, Indien, Russland, Nord- und Latein­amerika und fördert die Kooperation von Forschern in Deutschland mit Kollegen im Ausland – besonders, aber keinesfalls nur im Europäischen Forschungsraum.

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