Dynamische Hochschullandschaft

2,7 Millionen Studierende sind an den rund 400 Hochschulen in Deutschland eingeschrieben
2,7 Millionen Studierende sind an den rund 400 Hochschulen in Deutschland eingeschrieben impress picture/ullsteinbild
Deutschland ist das beliebteste nichtenglischsprachige Gastland für internationale Studierende. Die Hochschullandschaft ist vielfältig und exzellent – nicht nur in den großen Städten.

Die deutsche Hochschullandschaft ist außerordentlich vielfältig: Sie bietet Universitäten mit großen Namen in Metropolen wie Berlin oder München, aber auch in Aachen, Heidelberg oder Karlsruhe exzellente Hochschulen. Forschungsstarke mittelgroße Universitäten und kleinere Hochschulen mit erstaunlicher Strahlkraft bilden den Kern der akademischen Welt. Im internationalen Shanghai-Ranking, in den QS World University Rankings oder den Times Higher Education World University Rankings erreichen jeweils zehn bis zwölf deutsche Universitäten Platzierungen unter den Top 200. Besonders gut schneiden die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität Heidelberg und die Technische Universität München ab.

dpa/Rainer Jensen

2015 konnten Studierende in Deutschland nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zwischen 399 Hochschulen (121 Universitäten, 220 Fachhochschulen, 58 Kunst- und Musikhochschulen) wählen. Zusammen bieten sie 17.731 Studiengänge an. Im Zuge des 1999 eingeleiteten Bologna-­Prozesses zur Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraumes wurden zwischenzeitlich 87,4 Prozent aller Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt. 238 Hochschulen werden vom Staat, 40 kirchlich und 121 privat finanziert.

Beliebtestes nichtenglischsprachiges ­Gastland für internationale Studierende

Die Hochschullandschaft wird nach Aufbau und Aufgabe grundsätzlich in drei Typen unterschieden: Universität, Fachhochschule ­sowie Kunst-, Film- und Musikhochschule. Während die klassischen Universitäten ein breites Fächerspektrum anbieten, konzentrieren sich die Technischen Universitäten (TU) auf die Grundlagenforschung in den ingenieurtechnischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen. Die neun führenden TU haben sich 2006 zur TU9-Initiative zusammengeschlossen. Die Universitäten verstehen sich nicht nur als Lehranstalten, sondern gleichermaßen als Orte der Forschung und verkörpern insofern bis heute das Humboldtsche Bildungsideal von der Einheit von Forschung und Lehre. Die Universitäten haben das vorrangige Ziel, den wissenschaft­lichen Nachwuchs zu fördern, fundierte Fachkenntnisse zu vermitteln und selbstständig arbeitende und forschende Wissenschaftler auszubilden. Die 220 Fachhochschulen (FH) mit einer stark praxisorientierten Ausrichtung sind eine deutsche Besonderheit und tragen häufig die im angelsächsischen Sprachraum übliche Bezeichnung „University of Applied Sciences“ als Beiname. Die Einführung des Promotionsrechts für Fachhochschulen, das bisher den Universitäten vorbehalten ist, wird gegenwärtig diskutiert.

Die Akademisierung nimmt insgesamt zu: Lag die Studienanfängerquote 2005 noch bei 37 Prozent, nimmt nunmehr rund die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ein Studium auf. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ermöglicht ihnen, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familie ein Studium zu absolvieren. Gleichwohl bleibt der Bildungserfolg häufig noch eng an die soziale Herkunft gekoppelt – von den Kindern aus Nicht-Akademiker-Haushalten beginnen nur 23 Prozent ein Studium. 2014 waren 2,7 Millionen Studierende an den Hochschulen eingeschrieben, unter ihnen 301.350 Studierende mit nichtdeutschem Pass: 218.848 Studierende, die ihre Hochschulreife im Ausland erworben haben und 82.502 Ausländer mit deutschem Abitur.

Seit 2011 ist die Gesamtzahl der Studierenden um 18 Prozent gestiegen, die der international Studierenden im gleichen Zeitraum um nahezu 20 Prozent. Heute besuchen doppelt so viele Ausländer deutsche Universitäten wie 1996. Die meisten internationalen Studierenden kommen aus China, Russland und Indien. Damit ist Deutschland das beliebteste nichtenglischsprachige Gastland für internationale Studierende. Nur die USA und Großbritannien entfalten mehr Anziehungskraft. Die Technischen Universitäten haben als Schmieden der Ingenieurskunst einen besonders ­guten Ruf – 25 Prozent der Studienanfänger an den TU sind internationale Studierende.

Gleichzeitig haben die deutschen Hochschulen ihr Angebot an fremdsprachigen und internationalen Studiengängen auf 1.104 ausgebaut. Für internationale Doktoranden ist die Vielzahl strukturierter Promotionsangebote besonders attraktiv. Die weitgehende Freiheit von Studiengebühren ist ein weiterer Vorteil der deutschen Hochschulen.

Der zunehmenden Akademisierung begegnen Bund und Länder gemeinsam: Im Rahmen des Hochschulpakts 2020 haben sie Ende 2014 beschlossen, in den kommenden Jahren bis zu 760.000 zusätzliche Studienmöglichkeiten zu finanzieren. Über die Gesamtlaufzeit des Hochschulpakts von 2007 bis 2023 wird der Bund 20,2 Milliarden Euro und werden die Länder 18,3 Milliarden Euro bereitstellen.

Initiativen für mehr Exzellenz 
und größere Internationalisierung

Seit 2005 fördern Bund und Länder mit der Ex­zel­lenz­in­itiative besonders herausragende For­schungs­projekte und -­einrichtungen an den Hochschulen. In der laufenden Programmphase (2012–2017) werden 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte unterstützt, die an 44 Universitäten angesiedelt sind. Das Fördervolumen in diesem Zeitraum liegt bei 2,7 Milliarden Euro. Auch nach 2017 sollen Mittel in ähnlichem Umfang vergeben werden.

Ein wichtiges Thema bleibt die Internationalisierung. Eine gemeinsame Studie des DAAD, der Hochschulrektorenkonferenz und der Humboldt-Stiftung ermittelte 2014 rund 31.000 internationale Kooperationen, die von fast 300 Hochschulen mit 5.000 Hochschulpartnern in 150 Staaten vereinbart wurden, darunter vielfach Programme, die zu Doppelabschlüssen führen. Viele Hochschulen beteiligen sich an der Entwicklung deutscher Studienangebote und der Gründung von Hochschulen nach deutschem Modell, die es in Ägypten, China, Jordanien, Kasachstan, der Mongolei, Oman, Singapur, Ungarn, Vietnam und in der Türkei gibt.

Die Steigerung der Auslandsmobilität deutscher Studierender wird ebenfalls gefördert. Über 30 Prozent absolvieren bereits einen Auslandsaufenthalt. Künftig soll jeder zweite Hochschulabsolvent aus Deutschland während des Studiums Auslandserfahrung sammeln. Stipendienangebote wie zum Beispiel das Erasmus+-Programm unterstützen die wertvollen Studienaufenthalte.

Related content