Dynamische Hochschullandschaft

2,7 Millionen Studierende sind an den rund 400 Hochschulen in Deutschland eingeschrieben
2,7 Millionen Studierende sind an den rund 400 Hochschulen in Deutschland eingeschrieben impress picture/ullsteinbild
Deutschland ist bei internationalen Studierenden sehr beliebt. Die Hochschullandschaft ist vielfältig und exzellent – nicht nur in den großen Städten.

Die deutsche Hochschullandschaft ist außerordentlich vielfältig: Sie bietet Universitäten mit großen Namen in Metropolen wie Berlin oder München, aber auch in Aachen, Heidelberg oder Karlsruhe exzellente Hochschulen. Forschungsstarke mittelgroße Universitäten und kleinere Hochschulen mit erstaunlicher Strahlkraft bilden den Kern der akademischen Welt. Im internationalen Shanghai-Ranking, in den QS World University Rankings oder den Times Higher Education World University Rankings erreichen jeweils zwölf bis 20 deutsche Universitäten Platzierungen unter den Top 200. Besonders gut schneiden die Technische Universität München, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Heidelberg ab.

dpa/Rainer Jensen

2017 konnten Studierende in Deutschland nach Angaben der Hochschulrektorenkon­ferenz (HRK) zwischen 399 Hochschulen (120 Universitäten, 221 Fachhochschulen, 58 Kunst- und Musikhochschulen) wählen. Zusammen bieten sie 19.011 Studiengänge an. Im Zuge des 1999 eingeleiteten Bologna-­Prozesses zur Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraumes wurden fast alle Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt. 240 Hochschulen werden vom Staat, 39 kirchlich und 120 privat finanziert.

Steigende Beliebtheit bei internationalen Studierenden

Die Hochschullandschaft wird nach Aufbau und Aufgabe grundsätzlich in drei Typen ­unterschieden: Universität, Fachhochschule ­sowie Kunst-, Film- und Musikhochschule. Während die klassischen Universitäten ein breites Fächerspektrum anbieten, konzentrieren sich die Technischen Universitäten (TU) auf die Grundlagenforschung in den ingenieurtechnischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen. Die neun führenden TU haben sich 2006 zur TU9-Initiative zusammengeschlossen. Die Universitäten verstehen sich nicht nur als Lehranstalten, sondern gleichermaßen als Orte der Forschung und verkörpern insofern bis heute das Humboldtsche Bildungsideal von der Einheit von Forschung und Lehre. Die Universitäten haben das vorrangige Ziel, den wissenschaft­lichen Nachwuchs zu fördern, fundierte Fachkenntnisse zu vermitteln und selbstständig arbeitende und forschende Wissenschaftler auszubilden. Die 221 Fachhochschulen (FH) mit einer stark praxisorientierten Ausrichtung sind eine deutsche Besonderheit und tragen häufig die im angelsächsischen Sprachraum übliche Bezeichnung „University of Applied Sciences“ als Beiname. Die erstmalige Einführung des Promotionsrechts für Fachhochschulen im Bundesland Hessen hat für viele Diskussionen gesorgt. Zuvor war das Promotionsrecht ausschließlich den Universitäten vorbehalten.

Die Akademisierung nimmt insgesamt zu: Lag die Studienanfängerquote 2005 noch bei 37 Prozent, nimmt nunmehr über die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ein Studium auf. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ermöglicht ihnen, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familie ein Studium zu absolvieren. Mittlerweile stammt knapp jeder zweite Studierende aus einem nicht-akademischen Elternhaus. Im Wintersemester 2016/2017 waren 2,8 Millionen Studierende an den Hochschulen eingeschrieben, unter ihnen 265.500 Studierende, die ihre Hochschulreife im Ausland erworben haben – das sind 41 Prozent mehr als im Wintersemester 2006/2007.

Heute besuchen mehr als doppelt so viele Ausländer deutsche Universitäten wie 1996. Die meisten internationalen Studierenden kommen aus China, Indien und Russland. Deutschland zählt weltweit zu den fünf beliebtesten Zielländern für internationale Studierende.

Gleichzeitig haben die deutschen Hochschulen ihr Angebot an fremdsprachigen und internationalen Studiengängen deutlich ausgebaut: rund 1.400 Studiengänge bieten Englisch als Unterrichtssprache; in über 730 Studiengängen ist ein internationaler Doppelabschluss möglich. Für internationale Doktoranden ist die Vielzahl strukturierter Promotionsan­gebote besonders attraktiv. Die weitgehende Freiheit von Studiengebühren ist ein weiterer Vorteil der deutschen Hochschulen.

Der zunehmenden Akademisierung begegnen Bund und Länder gemeinsam: Im Rahmen des Hochschulpakts 2020 haben sie Ende 2014 beschlossen, in den folgenden Jahren bis zu 760.000 zusätzliche Studienmöglichkeiten zu finanzieren. Über die Gesamtlaufzeit des Hochschulpakts von 2007 bis 2023 wird der Bund 20,2 Milliarden Euro und werden die Länder 18,3 Milliarden Euro bereitstellen.

Initiativen für mehr Exzellenz und größere Internationalisierung

Mit der Exzellenzinitiative förderten Bund und Länder zwischen 2005 und 2017 besonders herausragende For­schungsprojekte und -einrichtungen an den Hochschulen. Allein in der zweiten Programmphase (2012–2017) wurden mit einem Fördervolumen von 2,7 Milliarden Euro 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte unterstützt, die an 39 Universitäten angesiedelt sind. Die nachfolgende Exzellenzstrategie ist zunächst auf unbestimmte Zeit ausgelegt und ab 2018 mit jährlich insgesamt 533 Millionen Euro dotiert. Sie soll dazu beitragen, dass deutsche Universitäten im internationalen Wettbewerb noch besser werden. Die Förderung von Exzellenzclustern stärkt interna­tional wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten und Universitätsverbünden projektbezogen. Werden mindestens zwei ­Exzellenzcluster an derselben Universität bewilligt, hat diese die Chance auf dauerhafte Förderung als Exzellenzuniversität.

Ein wichtiges Thema bleibt die Internationalisierung. Die Hochschulrektorenkonferenz zählt mehr als 33.000 Vereinbarungen deutscher Hochschulen mit Partnereinrichtungen in rund 150 ausländischen Staaten, darunter vielfach Programme, die zu Doppelabschlüssen führen. Viele Hochschulen beteiligen sich an der Entwicklung deutscher Studienangebote und der Gründung von Hochschulen nach deutschem Modell, die es in Ägypten, China, Jordanien, Kasachstan, der Mongolei, Oman, Singapur, Ungarn, Vietnam und in der Türkei gibt.

Die Steigerung der Auslandsmobilität deutscher Studierender wird ebenfalls gefördert. Über ein Drittel absolviert bereits einen Auslandsaufenthalt. Künftig soll jeder zweite Hochschulabsolvent aus Deutschland während des Studiums Auslandserfahrung sammeln. Stipendienangebote wie zum Beispiel das Erasmus+-Programm unterstützen die wertvollen Studienaufenthalte.

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