Engagierte Außenwissenschaftspolitik

Wissenschaftsaustausch
Wissenschaftsaustausch dpa/Jaspersen
Deutschland setzt auch in der Außenpolitik auf Wissenschaftszusammenarbeit. Der akademische Austausch mit Krisen- und Konfliktregionen spielt dabei eine besondere Rolle.

Der Wissenschaftsaustausch ist eine Säule der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP). Wichtige Partner des Auswärtigen Amts bei der Umsetzung sind dabei der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung, das Deutsche Archäologische Institut (DAI) und die international agierenden Stiftungen der politischen Parteien. Bereits in der ersten Amtszeit von Außenminister Frank-Walter Steinmeier wurde 2009 die Ini­tiative Außenwissenschaftspolitik gestartet. Sie baut bewährte Instrumente aus und erweitert sie um neue Maßnahmen. Inzwischen hat sie zahlreiche neue Akzente im Austausch gesetzt und fördert gezielt die weitere Vernetzung rund um den Globus.

So werben weltweit fünf Deutsche Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) in Moskau, Neu-Delhi, New York, São Paulo und Tokio sowie das Deutsche Wissenschafts­zentrum (DWZ) in Kairo für die Wissenschaftszusammenarbeit mit Deutschland. Die Häuser verstehen sich als Schaufenster des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland, sie bündeln Informationen und bestehende Strukturen deutscher Wissenschaftseinrichtungen im jeweiligen Land. Die DWIH sind daher häufig die ersten Anlaufstellen für alle an Kooperation mit Deutschland interessierten Wissenschaftler.

Zudem wird seit 2010 die Arbeit von vier neu geschaffenen Exzellenzzentren in Russ­land, Thailand, Chile und Kolumbien über den DAAD gefördert: Die Zentren vernetzen Hunderte internationale Wissenschaftler mit der deutschen Forschung und bilden akademischen Nachwuchs auf höchstem Niveau aus. Sie sind jeweils als Kooperationen in Forschung und Lehre zwischen einer deutschen Hochschule und einem oder mehreren ausländischen Partner­instituten angelegt.

Akademische Zusammenarbeit mit 
Krisen- und Konfliktregionen

Einen Schwerpunkt legt die Außenwissenschaftspolitik auf die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Hochschulen in Krisen- und Konfliktregionen sowie in Transformationsländern. Mit diesem komplexen Engagement wird die Hoffnung verknüpft, dass die Zusammenarbeit in Forschung und Hochschulbildung den Boden bereiten kann, auf dem politische Verständigung und damit Krisenprävention und Krisenbewältigung häufig erst möglich werden. Die Hochschulbildung kann so zur Basis einer nachhaltigen Entwicklung werden und Kompetenz zur Selbsthilfe schaffen, indem sie zukünftige Entscheidungsträger qualifiziert und so direkt in die Gesellschaft hineinwirkt.

Eine Folge der zahlreichen Krisen und Konflikte der jüngsten Vergangenheit ist, dass jungen Menschen der Weg zu Bildung verwehrt bleibt. Das Auswärtige Amt hat 2014 daher zum Beispiel zusammen mit dem DAAD das Programm „Führungskräfte für Syrien“ aufgelegt, mit dem über 200 syrische Stipendiaten zum Studium nach Deutschland kommen können. Viel erreicht wurde nach dem Balkankonflikt auch beim Wiederaufbau akademischer Strukturen in Südosteuropa und seit 2002 in Af­gha­nistan, beispielsweise durch das Engagement deutscher Hochschulen in den Fachgebieten Informationstechnologie und Wirtschaftswissenschaften. Auch im Zentral­irak und in der Region Kurdistan-­Irak wird akademische Aufbauarbeit geleistet.

Transformationspartnerschaft mit ­Ländern der arabischen Welt

Mit mehreren arabischen Ländern unterhält Deutschland seit 2011 zudem eine Transformationspartnerschaft, die Reformbestrebungen an arabischen Universitäten durch Kooperationsprojekte mit deutschen Hochschulen unterstützt. Ein besonders wichtiges Feld sind zudem die zahlreichen Programme im Bereich „Good Governance“, die sich an künftige Führungskräfte aus Krisenregionen weltweit wenden.

Related content