Vernetzte Wissenschaft

Forschung in internationalen Teams ist an deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten Alltag
Forschung in internationalen Teams ist an deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten Alltag Thomas Koehler/Photothek via Getty Images
Die deutsche Forschungslandschaft ist international orientiert, gut vernetzt und offen für Wissenschaftler aus dem Ausland.

Die Globalisierung stellt auch die deutsche Wissenschaftslandschaft vor neue Herausforderungen. Die Fähigkeit zur Vernetzung von Wissen und Wissenschaftlern spielt dabei eine zentrale Rolle. Deutschland hat sich in dieser Frage gut positioniert. Fast die Hälfte ihrer wissenschaftlichen Publikationen verfassen Forscherinnen und Forscher mittlerweile in internationalen Kooperationen. An den 399 Hochschulen arbeiten nach Berechnungen des Berichts „Wissenschaft Welt­offen 2015“ 38.094 wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter mit ausländischer Staatsbürgerschaft, darunter 2.886 Professorinnen und Professoren; das sind 10 Prozent aller Beschäftigten. Seit 2006 ist die Zahl des ausländischen Wissenschaftspersonals um 74 Prozentpunkte gestiegen, die Zahl der Professoren wuchs um 46 Prozent. Dabei spielen auch die in jüngster Zeit geschaffenen vereinfachten Visa­verfahren für Wissenschaftler aus Nicht-EU-Staaten eine Rolle.

dpa/Hirschberger

Ebenfalls positiv entwickelt sich die Anzahl der für einen Aufenthalt in Deutschland geförderten ausländischen Forscher. Die wichtigsten Herkunftsländer der gegenwärtig 56.310 Experten sind Russland, China, Indien, die USA und Italien. Vielfach richten Hochschulen und Forschungs­einrichtungen Willkommenszentren ein, um die internationalen Wissenschaftler bei ihrem Start besser zu unterstützen. Auch der temporäre Aufenthalt von Forschern wird als ein Gewinn gesehen, denn sie sind nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer häufig wichtige Netz­werkpartner für weitere Kooperationen.

Viele Wissenschaftler aus dem Ausland zieht die attraktive Forschungsinfrastruktur nach Deutschland – dazu gehört die Möglichkeit, an zum Teil weltweit einzigartigen Großforschungsgeräten zu arbeiten. Allein die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt rund 50 Großgeräte für unterschiedlichste Forschungsfelder. Zahlreiche Topwissenschaftler aus dem Ausland kommen über die Humboldt-Professur an deutsche Universitäten, den mit fünf Millionen Euro höchstdotierten Forschungs­preis Deutschlands, vergeben von der Humboldt-Stiftung.

Mit Förderung ins Ausland gingen 17.686 deutsche Wissenschaftler – wichtigste Unterstützer sind dabei die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das europäische Marie-­Curie-Programm und vor allem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD); von der weltweit größten Förderorganisation für den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern erhalten fast zwei Drittel aller geförderten Wissenschaftler ein Stipendium.

Deutschland will die internationale Wissenschaftskooperation ausbauen und vertiefen und sie zugleich auf eine andere Qualitäts­ebene heben. Als Grundlage dafür dient der 2014 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verabschiedete Aktionsplan Internationale Kooperation.

Anspruchsvolle Neuausrichtung der ­Internationalisierungsstrategie

Auf seiner Basis soll die 2008 gestartete Internationalisierungsstrategie für Wissenschaft und Forschung neu ausgerichtet und jüngsten Veränderungen angepasst werden. Zu ihnen gehört die Entwicklung des Europäischen Forschungsraums (EFR) innerhalb der Europäischen Union, dessen Vertiefung Deutschland maßgeblich unterstützt und in dem Freizügigkeit für Forscher herrschen und wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien frei ausgetauscht werden sollen. Der Aktionsplan skizziert auch die Ausgestaltung künf­tiger Kooperationen mit Entwicklungs- und Schwellenländern und erläutert, wie Deutschland zur Lösung globaler Herausforderungen noch stärker beitragen kann.

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