Vernetzte Wissenschaft

Forschung in internationalen Teams ist an deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten Alltag
Forschung in internationalen Teams ist an deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten Alltag Thomas Koehler/Photothek via Getty Images
Die deutsche Forschungslandschaft ist international orientiert, gut vernetzt und offen für Wissenschaftler aus dem Ausland.

Die Globalisierung stellt auch die deutsche Wissenschaftslandschaft vor neue Herausforderungen. Die Fähigkeit zur Vernetzung von Wissen und Wissenschaftlern spielt dabei eine zentrale Rolle. Deutschland hat sich in dieser Frage gut positioniert. Fast die Hälfte ihrer wissenschaftlichen Publikationen verfassen Forscherinnen und Forscher mittlerweile in internationalen Kooperationen. An den 399 Hochschulen arbeiten nach Berechnungen des Berichts „Wissenschaft Welt­offen 2018“ 45.858 wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiter mit ausländischer Staatsbürgerschaft, darunter 3.184 Professorinnen und Professoren; das sind knapp zwölf Prozent ­aller Beschäftigten an den Hochschulen. Seit 2010 ist die Zahl der ausländischen Mitar­beiter um mehr als ein Drittel gestiegen. Dabei spielen auch die zuletzt geschaffenen vereinfachten Visa­verfahren für Wissenschaftler aus Nicht-EU-Staaten eine Rolle.

dpa/Hirschberger

Unter den für einen Aufenthalt in Deutschland geförderten ausländischen Forschern sind Asien und Pazifik sowie Westeuropa die wichtigsten Herkunftsregionen: Von dort kommen jeweils 18 Prozent der zuletzt 34.869 geförderten internationalen Experten. Vielfach richten Hochschulen und Forschungs­einrichtungen Willkommenszentren ein, um die internationalen Wissenschaftler bei ihrem Start besser zu unterstützen. Auch der temporäre Aufenthalt von Forschern wird als ein Gewinn gesehen, denn sie sind nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer häufig wichtige Netz­werkpartner für weitere Kooperationen.

Viele Wissenschaftler aus dem Ausland zieht die attraktive Forschungsinfrastruktur nach Deutschland – dazu gehört die Möglichkeit, an zum Teil weltweit einzigartigen Großforschungsgeräten zu arbeiten. Allein die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt rund 50 Groß­geräte für unterschiedlichste Forschungsfelder. Zahlreiche Topwissenschaftler aus dem Ausland kommen über die Humboldt-Professur an deutsche Universitäten, den mit fünf Millionen Euro höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands, vergeben von der Humboldt-Stiftung.

Mit Förderung ins Ausland gingen 14.359 deutsche Wissenschaftler – wichtige Unterstützer sind dabei die Deutsche Forschungs­gemeinschaft (DFG), das europäische Marie-­Curie-Programm und vor allem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD); von der weltweit größten Förderorganisation für den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern erhalten rund drei Viertel der geförderten Wissenschaftler ein Stipendium.

Deutschland will die internationale Wissenschaftskooperation ausbauen und vertiefen und sie zugleich auf eine andere Qualitäts­ebene heben. Als Grundlage dafür dient unter anderem die 2017 beschlossene neue Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Anspruchsvolle Neuausrichtung der ­Internationalisierungsstrategie

Die neue Internationalisierungsstrategie reagiert auf die zunehmende Globalisierung, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums und die ­Herausbildung neuer, globaler Innovations­zentren außerhalb der etablierten Wissenschaftsstandorte. Im Mittelpunkt stehen die Förderung internationaler Vernetzung, die weltweite Kooperation in der beruflichen ­Bildung, die Partnerschaft mit Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die länder­übergreifenden Anstrengungen bei der Be­wältigung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheit und Ernährungs­sicherheit. Bei der Stärkung von Deutschlands Position als international attraktiver Studien- und Forschungsstandort spielt die Vertiefung des Europäischen Forschungsraums (EFR) ­eine besondere Rolle.

Related content