Engagierte Zivilgesellschaft

Umweltschutz ist ein Thema, für das sich viele in ihrer Freizeit engagiert einsetzen
Umweltschutz ist ein Thema, für das sich viele in ihrer Freizeit engagiert einsetzen picture-alliance/Andreas Franke
Das zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland ist hoch. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich, die Bedeutung von Stiftungen wächst.

Rund 31 Millionen Deutsche engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich und übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft. Dieses Engagement ist oft langfristig – ein Drittel der Freiwilligen ist seit zehn Jahren aktiv. Fast 60 Prozent der Befragten des 14. Freiwilligensurveys der Bundesregierung wenden für ihr Ehrenamt wöchentlich bis zu zwei Stunden auf. Gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Genossenschaften, Hilfsorganisationen, gemeinnützigen Unternehmen und Privatinitiativen bilden die Mitglieder der mehr als 600.000 Vereine das Rückgrat des „dritten Sektors“. Zivilgesellschaft kennzeichnet jenen Bereich der Gesellschaft, der nicht staatlich oder parteipolitisch ist, sondern sich freiwillig und öffentlich in gesellschaftlichen und politischen Fragen engagiert.

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Vor allem Stiftungen haben eine kontinuierlich wachsende Bedeutung erlangt. Deutschland ist mit mehr als 21.000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts, der klassischen Rechtsform einer Stiftung, eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Seit der Jahrtausendwende wurden rund 13.500 Stiftungen bürgerlichen Rechts errichtet, mehr als die Hälfte aller heute bestehenden Stiftungen dieser Art. Im Bundesdurchschnitt kommen auf 100.000 Einwohner 26,5 Stiftungen. Alle Stiftungen ver­fügen zusammen über ein Vermögen von etwa 68 Milliarden Euro. Sie geben rund 4,3 Milliarden für gemeinnützige Zwecke aus, traditionell für Soziales, Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die fünf größten privatrechtlichen Stiftungen, gemessen an ihren Ausgaben, sind die Volks­wagen-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung, 
die Bertelsmann-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung und der WWF Deutschland.

Stark im Kommen sind Bürgerstiftungen, bei denen mehrere Bürger und Unternehmen gemeinsam als Stifter auftreten, um lokale oder regionale Vorhaben zu fördern. Erste Stiftungen dieser Art entstanden 1996. 2016 gab es bereits mehr als 300 vom Bundesverband Deutscher Stiftungen anerkannte Bürgerstiftungen. Das bürgerschaftliche Engagement hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen, es verlagert sich aber von den größeren Verbänden stärker hin zu kleinen, selbstorganisierten Gruppen und wechselnden Projekten. Gegenwärtig engagieren sich viele Menschen in Deutschland ehrenamtlich in lokalen Ini­tiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen.

Engagement in Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen

Eine eher strategische und politische Mit­gestaltung erlaubt das gesellschaftspolitische Engagement in Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Auf diesem Weg eröffnet das Ehrenamt die Möglichkeit zu intensiver demokratischer Partizipation. Für die großen etablierten Organisationen wird es indes zunehmend schwieriger, Freiwillige zur Mitarbeit zu gewinnen.

Ein besonderes Potenzial für ehrenamtliches Engagement liegt in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen. Dass junge Erwachsene bereit sind, sich gesellschaftlich einzubringen, zeigt das Interesse an Freiwilligendiensten. Seit 2011 gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Er ist offen für alle Altersgruppen und ergänzt das seit mehr als 50 Jahren bestehende Modell des Freiwilligen Sozialen Jahrs für Jugendliche und junge Erwachsene. Anfang 2018 waren mehr als 43.000 Bundesfreiwillige im Dienst. Auch die freiwillige Arbeit im Ausland ist möglich, zum Beispiel über den Internationalen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Programm „Weltwärts“ des Bundes­ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder den Freiwilligendienst „Kulturweit“ der Deutschen UNESCO-Kommission in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt.

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