Engagierte Zivilgesellschaft

Umweltschutz ist ein Thema, für das sich viele in ihrer Freizeit engagiert einsetzen
Umweltschutz ist ein Thema, für das sich viele in ihrer Freizeit engagiert einsetzen picture-alliance/Andreas Franke
Das zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland ist hoch. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich, die Bedeutung von Stiftungen wächst.

Rund 23 Millionen Deutsche engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich und übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft. Dieses Engagement ist oft langfristig – im Durchschnitt sind Freiwillige seit zehn Jahren aktiv: Auf jährlich 4,6 Milliarden geleistete Arbeitsstunden wird der bürgerschaftliche Einsatz geschätzt. Gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Genossenschaften, Hilfsorganisationen, gemeinnützigen Unternehmen und Privatinitiativen bilden die Mitglieder der 580.000 Vereine das Rückgrat des „dritten Sektors“. Zivilgesellschaft kennzeichnet jenen Bereich der Gesellschaft, der nicht staatlich oder parteipolitisch ist, sondern sich freiwillig und öffentlich in gesellschaftlichen und politischen Fragen engagiert.

picture alliance/Ralf Mueller

Vor allem Stiftungen haben eine kontinuierlich wachsende Bedeutung erlangt. Deutschland ist mit mehr als 20.000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts, der klassischen Rechtsform einer Stiftung, eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Seit der Jahrtausendwende wurden rund 12.500 Stiftungen bürgerlichen Rechts errichtet, mehr als die Hälfte aller heute bestehenden Stiftungen dieser Art. Im Bundesdurchschnitt kommen auf 100.000 Einwohner 26 Stiftungen. Alle Stiftungen verfügen zusammen über ein Vermögen von etwa 70 Milliarden Euro. Sie geben rund 17 Milliarden für gemeinnützige Zwecke aus, traditionell für Soziales (28,8 Prozent), Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die fünf größten Stiftungen, gemessen an ihren Ausgaben, sind die Volkswagen-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung, die Hans-Böckler-Stif­tung und der WWF Deutschland.

Stark im Kommen sind Bürgerstiftungen, bei denen mehrere Bürger und Unternehmen gemeinsam als Stifter auftreten, um lokale oder regionale Vorhaben zu fördern. Erste Stiftungen dieser Art entstanden 1996 – Mitte 2015 gab es bereits 275 vom Bundesverband Deutscher Stiftungen anerkannte Bürgerstiftungen. Das bürgerschaftliche Engagement hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen, es verlagert sich aber von den größeren Verbänden stärker hin zu kleinen, selbstorganisierten Gruppen und wechselnden Projekten. Gegenwärtig engagieren sich viele Menschen in Deutschland ehrenamtlich in lokalen Ini­tiativen zur Unterstützung von Flüchtlingen.

Engagement in Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen

Eine eher strategische und politische Mitgestaltung erlaubt das gesellschaftspolitische Engagement in Parteien, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Auf diesem Weg eröffnet das Ehrenamt die Möglichkeit zu intensiver demokratischer Partizipation. Für die großen etablierten Organisationen wird es indes zunehmend schwieriger, Freiwillige zur Mitarbeit zu gewinnen.

Ein besonderes Potenzial für ehrenamtliches Engagement liegt in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen. Dass junge Erwachsene bereit sind, sich gesellschaftlich einzubringen, zeigt das Interesse an Freiwilligendiensten. Seit 2011 gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Er ist offen für alle Altersgruppen und ergänzt das seit mehr als 50 Jahren bestehende Modell des Freiwilligen Sozialen Jahrs für Jugendliche und junge Erwachsene. Auch die freiwillige Arbeit im Ausland ist möglich, zum Beispiel über den Internationalen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder den Freiwilligendienst „Kulturweit“ der Deutschen UNESCO-Kommission in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt. Betrachtet man alle Dienste zusammen, gab es im Jahr 2014 etwa 90.000 bis 100.000 Freiwillige.

Related content