Zuwanderung gestalten

In Deutschland haben 18,6 Millionen Menschen einen Zuwanderungshintergrund
In Deutschland haben 18,6 Millionen Menschen einen Zuwanderungshintergrund Fulvio Zanettini/laif
Deutschland hat sich zu einem beliebten Einwanderungsland entwickelt, Integration ist ein wichtiges Thema. 18,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben hier.

Deutschland ist als Zielland für Zuwanderer in die Weltspitze aufgerückt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellte 2017 fest, dass Deutschland nach den USA weiterhin das beliebteste Einwanderungsland weltweit ist. In keinem der 35 OECD-Länder ist die Zuwanderung in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie in Deutschland. 2015 war die Zahl der zugezogenen Ausländer mit zwei Millionen so hoch wie nie zuvor. Viele der Menschen kamen als Schutzsuchende: Vor allem Kriege und Konflikte, zum Beispiel in Syrien und in Irak, führten dazu, dass viele Menschen ihre Heimat verließen, um anderswo Schutz zu suchen. 2016 verzeichnete Deutschland noch rund 1,7 Millionen Zuwanderer, seitdem sinken die Zahlen wieder.

dpa/Julian Stratenschulte

Die Bundesregierung setzt sich ein für die Reduzierung der Ursachen von Flucht und irregulärer Migration sowie für die aktive Gestaltung und Steuerung von Migrationsprozessen. Hierzu gehört die Rückkehr von Menschen ohne Bleibeperspektive in Deutschland und die Unterstützung der Reintegration in den Herkunftsländern. Insgesamt lebten 2016 rund 10 Millionen Menschen mit ausländischem Pass in Deutschland. 18,6 Millionen Personen hatten einen Migrationshintergrund. Zu ihnen zählen Zuwanderer, in Deutschland geborene Ausländer und Personen mit einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Diese Gruppe entspricht einem Anteil von über 22 Prozent der Gesamtbevölkerung. 9,6 Millionen Personen mit Migrationshintergrund hatten einen deutschen Pass. Von ihnen besaßen 42 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit seit ihrer Geburt. Weitere 33 Prozent sind selbst als (Spät-)Aussiedler nach Deutschland zugewandert und die übrigen 25 Prozent sind eingebürgert. Allein 2016 wurden knapp 110.400 Ausländerinnen und Ausländer eingebürgert.

Migranten leisten einen bedeutenden Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Der wachsende Bedarf an Fachkräften führt zunehmend gut qualifizierte Migranten ins Land. Die Bundesregierung möchte weitere Zuwanderung ermöglichen, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, der sich aus dem demografischen Wandel ergibt. Ergänzend zur verstärkten Aktivierung des inländischen Potenzials von Erwerbspersonen und zur Zuwanderung aus EU-Staaten sieht die Bundesregierung auch in der Fachkräftezuwanderung aus Drittstaaten einen Weg, um der demografischen Entwicklung entgegenzusteuern und einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

Hochqualifizierte erhalten mit der Blauen Karte EU vereinfacht Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Auch Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten mit einer anerkannten Berufs­ausbildung in bestimmten Engpassberufen, zum Beispiel den Gesundheits- und Pflegeberufen, können zur Beschäftigung nach Deutschland kommen. Um das Potenzial in vollem Umfang auszuschöpfen, soll ein geplantes Gesetzeswerk die Regelungen zur Einwanderung miteinander verknüpfen.

Integration als wichtige Aufgabe der Migrationspolitik

Die Integrationspolitik ist ein zentrales Politikfeld in Deutschland und wird als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen. Integration ist ein Angebot, aber auch eine Verpflichtung zu eigener Anstrengung. Sie kann nur als wechselseitiger Prozess gelingen. Nach dem Aufenthaltsgesetz haben diejenigen Ausländer, die rechtmäßig und auf Dauer im Bundesgebiet leben, Anspruch auf Integrationsleistungen des Bundes. Diese Leistungen dienen der Sprachvermittlung, der Integration in Ausbildung, Arbeit und Bildung sowie der gesellschaftlichen Integration. Ziel ist, die Menschen in die Gesellschaft einzubeziehen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen. Als zentrale Maßnahme wird der Integrationskurs angeboten, der aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs besteht.

Mehr als 30 Prozent der 20- bis 34-jährigen ausländischen Erwachsenen bleiben ohne Berufsabschluss. Ihre Bildungsbeteiligung zu erhöhen ist ein wichtiges Ziel der Bundesregierung. Mit der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts 2014 wurde die doppelte Staatsbürgerschaft eingeführt. Für in Deutschland nach 1990 geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern wurde die „Optionspflicht“ abgeschafft: Zuvor mussten sie sich bis zum vollendeten 23. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden.

Schutz für Flüchtlinge und politisch Verfolgte

Das Grundgesetz sichert politisch Verfolgten ein Grundrecht auf Asyl. Deutschland bekräftigt damit seine historische und humanitäre Verantwortung. Im Jahr 2015 – im Zuge der sogenannten „Flüchtlingskrise“ – kamen 890.000 Menschen auf der Suche nach Schutz nach Deutschland, 2016 haben rund 746.000 Personen hier einen Asylantrag gestellt. Inzwischen ist die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland wieder rückläufig, 2017 wurden rund 223.000 Asylanträge gestellt, von Januar bis April 2018 waren es rund 64.000. Deutschland setzt sich für eine solidarische europäische Lösung der Flüchtlingsfrage ein. Die Bundesregierung engagiert sich zugleich auch für die Verbesserung des Flüchtlingsschutzes und die Unterstützung für Flüchtlinge in ihren Aufnahmeländern.

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