Lebendige Erinnerungskultur

In Berlin erinnert das Denkmal für die ermordeten Juden Europas an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts
In Berlin erinnert das Denkmal für die ermordeten Juden Europas an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts Andreas Pein/laif
Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, aber auch an das Unrecht des DDR-Systems wird in Deutschland in zahlreichen Gedenkstätten wach gehalten.

Die Auseinandersetzung mit Krieg und Gewaltherrschaft, mit ideologisch motivierten Verbrechen und politischem Unrecht im 
20. Jahrhundert und das Gedenken an die Opfer der Verfolgung spielen in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Rolle. Der Erhalt der Berichte von Zeitzeugen gehört dabei zum Kern einer Erinnerungskultur, die darauf ausgerichtet ist, die Verbrechen des Nationalsozialismus auch im Bewusstsein kommender Generationen zu halten.

dpa/Wolfram Steinberg

Zu der lebendigen Erinnerungskultur gehören auch die zahlreichen Gedenk- und Erinnerungsstätten für die unterschiedlichen Opfergruppen in ganz Deutschland. Mitten in Berlin etwa erinnert das Denkmal für die ermordeten Juden Europas an die bis zu sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts.

Gedenken an Krieg, Widerstand 
und Diktatur

Das Gedenken in den Jahren 2014 und 2015, in denen sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal und der Fall der Mauer zum 25. Mal jährte, war vor allem von Dankbarkeit geprägt. Die Dankbarkeit galt den Alliierten der Anti-Hitler-Koalition für die Befreiung 1945, aber auch für die Chance zum Wiederaufbau und zur Wiedervereinigung 1990. Die Dankbarkeit galt ebenso jenen, die als überlebende Opfer des Holocausts Zeugnis ablegten über die Verbrechen – und dem demokratischen Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand reichten. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, deren 50. Jahrestag 2015 gefeiert wurde, war ein besonderes Zeichen für diese Versöhnungsbereitschaft.

Auch soll die Erinnerung an die kommunistische Diktatur während der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ, 1945–1949) und der DDR (1949–1990) für jene Generationen lebendig gehalten werden, die die Teilung Deutschlands und das DDR-System nicht erlebt haben. Wichtig bleibt dafür die Rolle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der DDR, bei dem weiterhin Akten gesichtet, sortiert und Betroffenen und Wissenschaftlern zugänglich gemacht werden. In einer Dauerausstellung in dem Gebäude der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit der DDR (Stasi) in Berlin-Hohenschönhausen werden Mittel und Arbeitsweise der Stasi zur Bespitzelung, Kontrolle und Einschüchterung der Bevölkerung anschaulich dargestellt. In den ehemaligen Außenstellen der Stasi wird das Gedenken an die Diktatur der DDR durch Ausstellungen und Vorträge bewahrt.

Dem Widerstand gegen die Nazidiktatur gewidmet ist die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock im Berliner Bezirk Mitte. Sie befindet sich am historischen Ort des gescheiterten Umsturzversuches der Gruppe um Graf Stauffenberg vom 20. Juli 1944. Die Gedenkstätte dokumentiert eindrucksvoll, wie sich Einzelne und Gruppen 1933 bis 1945 gegen die nationalsozialistische Diktatur gewehrt und ihre Handlungsspielräume genutzt haben.

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