Digitale Agenda

Immer online: Der Ausbau der digitalen Infrastruktur gehört zu den wichtigsten Projekten der Bundesregierung
Immer online: Der Ausbau der digitalen Infrastruktur gehört zu den wichtigsten Projekten der Bundesregierung The New York Times/Redux/laif
Die deutsche Wirtschaft steht vor der vierten industriellen Revolution. Die Bundesregierung treibt den digitalen Wandel an.

Die Wirtschaft steht an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Durch das Internet getrieben, wachsen in einem digitalen Transformationsprozess reale und virtuelle Welt zu einem Internet der Dinge zusammen. Die Digitalisierung stellt für Industrie und Dienstleistungswirtschaft eine historische Zäsur dar. Unter dem Oberbegriff Industrie 4.0 werden Lösungen, Prozesse und Technologien zusammengefasst, die einen hohen Einsatz von IT und einen intensiven Vernetzungsgrad der Systeme in den Fabriken beschreiben. Viele deutsche Unternehmen sind auf dem Weg zur Industrie 4.0, mit der speziell die Digitalisierung der Fertigungstechnik und der Logistik vorangetrieben wird. Insgesamt erwartet die Wirtschaft, dass sich der internationale Wettbewerb um die Technologieführerschaft in der Produktion weiter verschärft. Die Bundesregierung fördert und gestaltet den digitalen Wandel aktiv und hat dazu eine „Digitale Agenda“ mit sieben Handlungsfeldern auf den Weg gebracht. Sie umfasst alle gesellschaftlichen Bereiche vom Staat über Wirtschaft, Kultur, Bildung und Wissenschaft. Der digitale Wandel wird dabei nicht als rein technologischer, sondern als ein gesellschaftlicher Prozess verstanden, der Fragen von Freiheit und Demokratie berührt, bis hin zum Schutz des Einzelnen.

dpa/Kembowski

Mit der „Digitalen Agenda“ soll Deutschland mittelfristig zum Leitanbieter für die Industrie 4.0 und zum digitalen Wachstumsland Nummer eins in Europa werden. Studien schätzen in Positivszenarien ein zusätzliches Wachstumspotenzial durch Industrie 4.0 zwischen 200 und 425 Milliarden Euro bis 2025. Dem Informations- und Telekommunika­tionssektor (IKT) als Querschnittstechnologie kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Schon heute gehen 23 Prozent des Produktivitätswachstums auf Investitionen in der IKT-Branche zurück. 900.000 Beschäftigte erwirtschaften einen Umsatz von 228 Milliarden ­Euro. Damit ist Deutschland nach den USA, Japan und China der viertgrößte Ländermarkt und der größte IKT-Markt in Europa.

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur, ­insbesondere von Breitband-Internetzugängen, gilt als eine der wichtigsten Aufgaben bei der Digitalisierung. Ziel ist es, bis 2018 eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s zu schaffen. Bundesregierung und Wirtschaft haben ein umfassendes 10-Milliarden-Paket für den Breitbandausbau geschnürt. Bis zum Jahr 2025 soll in Deutschland ein Gigabit-Glasfasernetz mit hoher Kapazität und  breiter Verfügbarkeit aufgebaut werden. 87 Prozent der Privathaushalte verfügen schon heute über einen Breitbandzugang. Gleichwohl gibt es in der Breitband-Versorgung noch Unterschiede zwischen alten und neuen Ländern sowie zwischen Städten und ländlichen Gebieten. 2015 ist für fast zwei Drittel aller Haushalte (64 Prozent) Breitband-Internet mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s verfügbar, meist per Festnetz. Für vier von fünf (82 Prozent) Haushalten in Städten sind Anschlüsse mit über 50 Mbit/s verfügbar, für jeden fünften Haushalt (20 Prozent) in länd­lichen Gemeinden. Der Mobilfunkstandard LTE erreicht 92 Prozent der Haushalte. Im Jahr 2020 soll die fünfte Generation des Mobilfunks, 5G, den derzeitigen LTE-Stand (4G) ablösen. 5G ermöglicht die zuverlässige Übertragung großer Datenmengen quasi in Echtzeit und wird dadurch zum Hebel für die digitale Transformation. In Berlin haben 2016 das Fraunhofer Institut FOKUS und das Kompetenzzentrum Öffentlicher IT (ÖFIT) gemeinsam mit der Deutschen Telekom und Nokia ein 5G-Testfelds am Ernst-Reuter-Platz aufgebaut und die Hauptstadt damit als Digitalmetropole positioniert.

Der 5G-Standard ist auch erforderlich, um im Verkehr die Voraussetzungen für das automatisierte beziehungsweise autonome und vernetzte Fahren zu schaffen. Deutschland will als eine der technologisch führenden Nationen im Automobilsektor auch in diesem Feld seine Führungsposition behaupten, vor allem auch bei der Etablierung normativer und ethischer Standards.

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