Globaler Akteur

Der Container als Symbol der Globalisierung: Der Hamburger Hafen gehört zu den großen Umschlagplätzen
Der Container als Symbol der Globalisierung: Der Hamburger Hafen gehört zu den großen Umschlagplätzen Jörg Modrow/laif
Deutschland ist mit der Weltwirtschaft stark verflochten. Jeder zweite Euro wird mit dem Export verdient.

Deutschland ist ein exportorientiertes, international stark verflochtenes Industrieland mit einem ausgeprägten Exportsektor. In den jährlichen Rankings der Welthandelsorganisation (WTO) gehört Deutschland – nach China und den USA – regelmäßig zu den drei größten Exportnationen weltweit. 2014 schloss die Außenhandelsbilanz mit einem Überschuss von 190 Milliarden Euro, einem neuen Höchstwert. Die Ausfuhren deutscher Unternehmen (Waren und Dienstleistung) steigerten sich auf 1.326 Milliarden Euro, der Wert der Einfuhren lag bei 1.136 Milliarden Euro. Bei einem insgesamt eher geringen Wachstum der Weltwirtschaft 2013/2014 hat sich die deutsche Wirtschaft gut behauptet. Deutschland profitiert im internationalen Vergleich am stärksten von der Globalisierung. Der „Country Connectedness Index 2014“ des McKinsey Global Institute führt Deutschland als das weltweit am stärksten vernetzte Land – vor den USA und Singapur.

dpa/Ole Spata

Jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro wird durch Auslandsgeschäfte verdient; annähernd jeder vierte Arbeitsplatz hängt vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite. Rund 800.000 Unternehmen sind im Außenhandel tätig. 2014 importierten 685.000 Unternehmen Waren aus anderen Ländern, während circa 340.000 Unternehmen Export betrieben. Wesentlichen Anteil am deutschen Außenhandel hatten rund 10.700 Unternehmen mit Sitz im Ausland; der Deutsche ­Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass mehr als 7 Millionen Beschäftigte für deutsche Firmen im Ausland arbeiten.

Auf der Exportseite dominieren Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte sowie elektronische Erzeugnisse. Auf diese vier Produktgruppen entfällt gut die Hälfte des deutschen Exports. Insgesamt hat sich die Exportquote seit 1991 von 25,7 Prozent auf 50,6 Prozent nahezu verdoppelt. Die Außenhandelsquote, die Summe der Im- und Exporte im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP), lag 2013 bei 89 Prozent. Deutschland ist damit die „offenste“ Volkswirtschaft der G7-Staaten. Zum Vergleich: Die USA kamen 2013 auf eine Außenhandelsquote von 30 Prozent.

Die Partnerländer der Europäischen Union (EU) sind mit einem Anteil von 58 Prozent der Gesamtexporte der wichtigste Zielmarkt. Traditionell größtes deutsches Exportland ist Frankreich, im ersten Halbjahr 2015 standen allerdings erstmals die USA auf Platz eins. Das Vereinigte Königreich, die Volksrepublik China und die Niederlande folgen auf den nächsten Plätzen. Bei den Importen zeigt sich hingegen ein umgekehrtes Bild: Die meisten Einfuhren kamen 2014 aus den Niederlanden, gefolgt von der Volksrepublik China, Frankreich, den USA und Italien. Kontinuierlich nimmt die Bedeutung von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu den asiatischen Staaten zu – trotz teilweise sich abschwächender Wachstumsraten. Allein in China sind 5.000 deutsche Unternehmen mit Investitionen vertreten.

Ausdruck der starken Verflechtung in die Weltwirtschaft sind weiterhin die deutschen Direktinvestitionen im Ausland, die sich seit 1990 auf 919 Milliarden Euro (2013) verfünffacht haben. Ein Drittel davon war in den Euroraum investiert. Umgekehrt sind ausländische Investoren über ihre Unternehmensbeteiligungen für 3 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland verantwortlich – auf 458 Milliarden Euro beläuft sich der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen. Damit ist Deutschland der siebtgrößte Investitionsstandort.

Als Drehscheibe des Welthandels gilt das Messewesen. Der Messeplatz Deutschland ist weltweit die Nummer eins bei Organisation und Durchführung internationaler Messen. Von den global wichtigen Branchenevents finden zwei Drittel in Deutschland statt. Zu den rund 150 internationalen Messen und Ausstellungen kommen jedes Jahr 10 Millionen Besucher.

Deutschland ist zugleich Umschlagplatz für europäische und weltweite Güterströme. Durch kein anderes Land der EU werden mehr Güter transportiert. Etwa ein Drittel des Umsatzes der zehn wichtigsten Logistikmärkte in der EU wird in Deutschland erbracht. 3 Millionen Menschen sind mit Logistik befasst. Ein Tor zur Welt ist der Hamburger Hafen, in dem pro Jahr rund 9,7 Millionen Standardcontainer umgeschlagen werden.

Engagement für fairen und 
freien Welthandel

Deutschland setzt sich für offene Märkte und einen fairen und freien Handel auf der Grundlage klarer und verlässlicher Regeln ein. Diese Ziele verfolgt Deutschland unter anderem mit den drei Säulen der Außenwirtschafts­förderung: den 227 deutschen Auslandsvertretungen, den Büros der 130 Auslands­handels­kam­mern (AHK), Delegationen und Repräsentanzen der deutschen Wirtschaft in 90 Ländern sowie der Gesellschaft für ­Außenwirtschaft und Standortmarketing Germany Trade and Invest (GTAI). Sie unterstützen mittelständische Unternehmen gezielt dabei, Auslandsmärkte zu erschließen, und wirken darauf hin, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Bei der Ausgestaltung der Regeln für den internationalen Handel, bei der Regulierung der Finanzmärkte, beim Management von Geld und Währung engagiert sich Deutschland an der Mitgestaltung der Globalisierung. Wegen der stockenden multilateralen Verhandlungen (Doha-Runde) liegt ein Hauptaugenmerk auf bilateralen Freihandelsabkommen der Europäischen Union. In Verhandlung sind vor allem umfassende Verträge mit den USA (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP) und Japan. Das euro­päisch-kanadische Wirtschafts- und Handelsabkommen Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) ist ausverhandelt. Bereits seit 2011 in Kraft ist das EU-Freihandelsabkommen mit Südkorea, das erste mit einem asiatischen Land. Seither stiegen die Ausfuhren nach Südkorea um jährlich etwa 10 Prozent. 2015 einigten sich die EU und Vietnam auf ein Freihandelsabkommen – es ist das erste Abkommen dieser Art zwischen der EU und einem Entwicklungsland.

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