Innovative Startups

dpa/Wolfram Kastl - Startups
dpa/Wolfram Kastl - Startups
Deutschland bietet Startups eine gute Infrastruktur und viele Fördermöglichkeiten. Berlin gilt sogar als Europas Gründerhauptstadt und zieht auch viele internationale Jungunternehmer an.

Lange prägten die deutsche Wirtschaft vor allem große Konzerne und ein gesunder Mittelstand. Seit etwa 2005 entwickelt sich parallel ein weiterer Zweig, der zunehmend an Bedeutung gewinnt und Arbeitsplätze schafft – Startups aus der Digitalbranche. Das Gründungsgeschehen spielt für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eine wichtige Rolle: Neugründungen bringen Innovationen hervor, schaffen Arbeitsplätze und fördern so den Wettbewerbsgedanken. Unter dem Begriff Startup versteht man in der Regel digital getriebene Unternehmen, die meist nicht älter als fünf Jahre sind. Es ist schwer die genaue Anzahl der Jungunternehmen zu ermitteln, die darunter gefasst werden. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland heute rund 6.000 Startups. Alleine seit 2012 sind durch sie rund 80.000 neue Stellen entstanden.

Von E-Commerce-Klonen zu mutigen 
Geschäftsmodellen

Mit Beginn der Internetwirtschaft waren es zunächst große E-Commerce-Firmen, die das Bewusstsein der Deutschen für digitale Themen prägten. Viele Ideen wurden zunächst aus den USA übernommen. Doch die deutsche Gründerlandschaft ist längst mutiger geworden: Deutsche Gründer gehen heute mit eigenen Innovationen an den Markt. Die deutsche Hochschullandschaft schafft neben den klassischen Wirtschaftsstudiengängen zunehmend Lehrstühle für Gründerwesen, um junge Frauen und Männer für digitale Geschäftsgründungen auszubilden. Die großen Forschungsinstitute wie die Fraunhofer- und die Max-Planck-Gesellschaft oder die Helmholtz-Gemeinschaft schaffen vielfach Anreize für ihre Mitarbeiter, Innovationen und Patente in digitale Geschäftsmodelle umzuwandeln.

Die deutsche Bundesregierung hat sich mit der Digitalen Agenda 2020 ebenfalls vorgenommen, die Digitalwirtschaft auf den internationalen Wettbewerb einzustellen und Deutschland zum „digitalen Wachstumsland Nummer eins in Europa“ zu machen. Schon seit 1998 vergibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das sogenannte EXIST-Gründerstipendium an Studierende und Hochschulabsolventen. Gleichzeitig investiert das BMWi in den High-Tech Gründerfonds. Der Frühphaseninvestor fördert zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und 18 weiteren Investoren aus der Wirtschaft junge Technologiefirmen.

Private Risikokapitalgeber und interna­tionale Investoren

Zu den großen privaten Kapitalgebern zählt in Deutschland vor allem Rocket Internet mit Sitz in Berlin. Rocket ist ein börsennotiertes deutsches Internetunternehmen mit Beteiligungen an unterschiedlichen Start­ups. Dahinter stehen die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, eine neue Generation von Internetunternehmern, die zu den Innovationstreibern in ihrem Bereich zählen. Im Jahr 2016 beschäftigt Rocket Internet rund 30.000 Mitarbeiter über Beteiligungen an Unternehmen, die in 110 Ländern auf sechs Kontinenten aktiv sind. Auf Expansion ist auch die German Startups Group, der zweitgrößte Risikokapitalgeber in Deutschland. German Startups hält Minderheitsbeteiligungen an mehr als 40 Jungunternehmen, denen schnelles Wachstum und Gewinne zugetraut werden. Neben diesen beiden Branchenriesen gibt es eine Vielzahl nationaler Investoren, die in digitale Geschäftsmodelle investieren. Auch für ausländische Investoren gilt Deutschland als einer der interessantesten Standorte weltweit. Vor allem US-amerikanische Kapitalgeber richten ihren Blick auf die deutsche Gründerlandschaft, die Investitionsvolumina erhöhen sich.

2015 wurden fast 3,1 Milliarden Euro in deutsche Startups investiert, fast fünfmal so viel wie 2013 und fast doppelt so viel wie 2014. Das meiste Geld floss mit 1,8 Milliarden Euro dabei in Startups aus dem Bereich Dienstleistungen für Konsumenten sowie den Online-Handel. An zweiter Stelle folgten die sogenannten FinTechs, das sind Startups für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Diese Online-Plattformen machen den traditionellen Banken und Versicherungen zunehmend Konkurrenz.

Europas Gründerhauptstadt Berlin

Ein besonderer Hotspot für Gründer ist Berlin. 2015 gingen allein 2,1 Milliarden Euro der Venture-Capital-Investitionen in Deutschland an die Berliner Startup-Szene. Damit ist die deutsche Hauptstadt Europas Gründerhauptstadt. Auf Rang zwei steht London mit 1,7 Milliarden Euro Investitionen, die nächsten Plätze gehen an Stockholm und Paris. In Berlin haben auch die umsatzstärksten Start­ups Deutschlands ihren Sitz. Erfolgreiche Startup-Städte in Deutschland sind auch München, Hamburg, Köln/Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt am Main.

Doch Berlin übt eine besondere Magnetwirkung auf Gründer aus der Kreativwirtschaft wie aus der Technologiebranche aus. Mit einem Anteil von knapp 34 Prozent ausländischen Mitarbeitern sind Berliner Startups in Deutschland die internationalsten. Gute Hochschulen und die im Vergleich zu anderen Großstädten immer noch günstigen Mieten sind für viele wichtige Pluspunkte. Berlins Ziel ist es, Augenhöhe mit Startup-Metropolen wie Tel Aviv, New York und dem Silicon Valley zu erreichen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Je mehr digitale Talente in die Stadt kommen, desto agiler, dynamischer und vielfältiger wird ihre Startup-Landschaft.

Gute Bedingungen für internationale Gründer

Mit neuen Geschäftsmodellen, guter Förderung und Infrastruktur ist Deutschland als Startup-Standort inzwischen weltweit anerkannt. Auch viele internationale Gründer schätzen die guten Rahmenbedingungen in Deutschland: Knapp zehn Prozent der Gründerinnen und Gründer von Startups und 22 Prozent ihrer Beschäftigten kommen aus dem Ausland. Zu den neuesten Entwicklungen gehören neben den Startups für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen Gründungen, die die Themen Immobilien (PropTech), Grüne Technologien (GreenTech), Automobil oder Ernährung in den Mittelpunkt rücken. Auch die zahlreichen Acceleratoren und Inkubatoren in Deutschland – das sind häufig von großen Unternehmen unterstützte Programme, die Start­ups in ihren Frühphasen fördern – sind ein Indiz dafür, dass auch die klassische Industrie zunehmend den Schulterschluss mit den Start­ups der Digitalwirtschaft sucht.

Christina Cassala

 

Deutschland DE:

www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/karriere-arbeit/neue-deutsche-startups-1-it-gruendungen

www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/innovation-technik/neue-deutsche-startups-2-grundungen-in-der-kreativwirtschaft

www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/innovation-technik/neue-deutsche-startups-3-fintechs

www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/innovation-technik/nominiert-fuer-den-deutschen-gruenderpreises-2016

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