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Nachhaltigkeit

Nachhaltiger Tourismus

Die Corona-Pandemie hat das Reisen deutlich eingeschränkt. Zuvor wuchs die Branche stetig – auch im Bereich umweltfreundliches Reisen.
Saarschleife
© stock.adobe.com/Henry Czauderna

Die Deutschen verreisen gern. Auch und ­gerade im eigenen Land. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend verstärkt.  Alpen, Küste, Seenplatte, Naturparks, Fluss­täler stehen schon seit Jahren auf Platz eins der Reiseziele. Eine Leidenschaft für die Vielfalt der Landschaften, für die Sightseeing-, Sport- und Erholungsoptionen, die man längst mit Gästen aus dem Ausland teilt. Vor der Pandemie gewann Deutschland als Tourismusdestination von Jahr zu Jahr an Beliebtheit.

Die Zahl der Übernachtungen ist im Jahr 2019 auf 495,6 Millionen gestiegen; 89,9 Millionen entfielen auf Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland – ein Rekordwert. Schon unmittelbar mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 hat der positive Trend zum Deutschland-Tourismus eingesetzt und seither zu einem kontinuierlichen Anstieg der Übernachtungszahlen von ausländischen Gästen um rund 88 Prozent geführt. Gut 75 Prozent aller ausländischen Gäste kamen zuletzt aus Europa, vor allem aus den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien und Italien. Aus den USA kamen 7,5 Prozent. Zugleich wuchs die Zahl der Besucher aus Asien und aus Afrika. Die Corona-Pandemie wird den Anstieg der Gästezahlen zumindest vorerst stoppen.

Erfolgreicher Messestandort

Gleiches gilt für die Messebranche: Im Jahr 2019 konnte Deutschland zum wiederholten Mal in Folge seine Position als Tagungs- und Kongressstandort Nummer eins in Europa behaupten. Im internationalen Ranking der Kongressstandorte belegt Deutschland Platz zwei hinter den USA. Rund 253.000 internationale Aussteller kamen zu Messen in Deutschland. Fünf der zehn größten Messegesellschaften der Welt haben hier ihren Sitz. Deutschlands Anteil am Weltmessemarkt betrug zuletzt knapp 10 Prozent.

Beliebte UNESCO-Welterbestätten

Zu den touristischen Publikumsmagneten zählen, laut einer Erhebung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) unter internationalen Besuchern, Klassiker wie das Schloss Neuschwanstein und der Kölner Dom. Beliebt sind auch die zahlreichen UNESCO-Welt­erbestätten, darunter das Schloss Sanssouci in Potsdam oder die Klassikerstadt Weimar.

Wie die Kultur trägt auch die Bewegung einen großen Teil zur Anziehungskraft bei. Allein das rund 200.000 Kilometer lange markierte Wanderwegenetz bietet extrem gute Bedingungen und herr­liche Aussichten, etwa bei Touren durch die Nationalparks Nationalparks Die 16 deutschen Nationalparks befinden sich zu einem großen Teil im Norden der Bundesrepublik. Alle zeichnen sich durch eine einmalige Natur und Landschaft aus und dienen der Bewahrung der natürlichen Artenvielfalt von seltenen Pflanzen und Tieren. Der größte von ihnen ist der Nationalpark… Mehr erfahren › oder vor dem Alpenpano­rama. Dazu kommen mehr als 200 gut ausgebaute Radfernwege über Zehntausende Kilometer, wie etwa der Europaradweg Eiserner Vorhang (1.131 Kilometer) oder der 818 Kilometer lange Deutsche Limes-Radweg. Wer preisgünstig übernachten möchte, findet zum Beispiel in einer der 450 Jugendherbergen oder auf einem der rund 3.000 Campingplätze ausreichend Gelegenheiten.

Wohlfühlurlaub und umweltfreundliches Reisen

Wellness ist ein großes Thema im Reiseland Deutschland. Dazu gehören so ungewöhnliche Angebote wie die Flusssauna in der Emser Therme, aber auch die zahlreichen Wohlfühllandschaften der Kurorte und Heilbäder wie Bad Wörishofen oder Bad Oeynhausen mit seiner Gründerzeitarchitektur. Insgesamt gibt es in Deutschland über 200 Heilbäder und Kurorte, die ein vom Deutschen Heilbäderverband anerkanntes Prädikat führen. Auch die Qualität der medizinischen Behandlung und Rehabilitation führt zahlreiche Gäste nach Deutschland.

Dabei sorgen die Reisenden immer häufiger nicht nur für das eigene Wohlbefinden, sondern achten auch auf das der Umwelt. In Deutschland wächst die Nachfrage nach Ökotourismus und nachhaltigem Reisen. Biohöfe bieten Urlaubszimmer an, es gibt 106 Naturparks und 16 Biosphärenreservate, in denen nachhaltige Entwicklung und Artenvielfalt großgeschrieben werden. Damit jeder sich im Reiseland Deutschland gut bewegen kann, sorgen viele Initiativen dafür, das Reisen uneingeschränkt auch für Menschen mit Handicap barrierefrei zu ermöglichen.

Virtuelle Reisen in der Corona-Pandemie

Die fünf neuen Länder spielen beim Tourismus eine starke Rolle. Für viele Regionen im Osten Deutschlands erwies sich nach der Wiedervereinigung der Tourismus als Chance, wirtschaftlich Fuß zu fassen. Landschaften wie der Spreewald, traditionsreiche Kulturstädte wie Dresden oder Weimar und Ostseebäder wie Binz auf Rügen ziehen Touristen aus Deutschland und dem Ausland an. Die Zahl der Übernachtungen in den neuen Ländern hat sich seit 1993 bis heute mehr als verdoppelt.

Die Corona-Pandemie hat Reisen nach Deutschland und auch die Mobilität innerhalb Deutschlands stark eingeschränkt. Deshalb rücken Möglichkeiten in den Fokus, das Land auch virtuell zu erkunden. Viele Städte bieten etwa 360-Grad-Ansichten ihrer Sehenswürdigkeiten oder virtuelle Rundgänge an. Auch deutsche Museen, Theater und Konzerthäuser haben innovative Wege gefunden, Interessierten von zu Hause aus Einblicke zu geben.