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Gesellschaft

Offene Gesellschaft

Deutschland ist geprägt vom Pluralismus der Lebensstile. Der demografische Wandel wird in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen.
Familie am Strand
© Getty Images

Deutschland ist mit rund 83,1 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Nation der Europäischen Union. Das moderne, weltoffene Land hat sich zu einem wichtigen Einwanderungsland entwickelt.

Die meisten Menschen in Deutschland verfügen über einen international betrachtet hohen Lebensstandard und über entsprechende Freiräume zur individuellen Lebensgestaltung. Der Human Development Index 2019 der Vereinten Nationen platziert Deutschland auf Rang 4 von 189 Ländern. Im Nation Brands Index2019, einer internationalen Umfrage zum Image von 50 Ländern, belegt Deutschland zum dritten Mal in Folge Platz eins – auch wegen seiner guten Werte in den Bereichen Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit. Deutschland versteht sich als Sozialstaat, der die Absicherung aller Bürgerinnen und Bürger als vorrangige Aufgabe begreift.

Mit der Rente ab 63, der Mütterrente und der 2021 in Kraft tretenden neuen Grundrente wurde das soziale Netz noch enger geknüpft.

Bevölkerung nach Migrationsstatus 2018 (in Millionen)

Quelle: Destatis

Offene Gesellschaft

Die Gesellschaft ist geprägt durch einen Pluralismus von Lebensstilen und die Vielfalt ethno-kultureller Prägungen. Traditionelle Rollenzuweisungen zwischen Männern und Frauen sind aufgebrochen. Menschen mit Behinderungen haben in Folge von Maßnahmen zur Inklusion stärker Teil am gesellschaftlichen Leben.

Neue Lebensformen und Lebenswirklichkeiten verändern den gesellschaftlichen Alltag. Gesetzgebungsverfahren der vergangenen Jahre sichern die gesellschaftliche Offenheit und Akzeptanz alternativer Lebensentwürfe und unterschiedlicher sexueller Orientierungen. Hierzu gehört die Einrichtung der „Ehe für alle“, die homosexuelle Paare rechtlich gleichstellt. Im deutschen Geburtenregister ist seit Ende 2018 neben männlich und weiblich auch die Geschlechtsangabe divers möglich. Dies dient der Gleichstellung von intersexuellen Menschen.

Nettozuwanderung nach Herkunftsregion 2018

Quelle: BAMF

Chancen für Fachkräfte

Gut 20,8 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Deutschland gehört zu den Ländern mit liberalen Zuwanderungsregeln. Um speziell die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland zu erleichtern, ist seit März 2020 das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Deutschland ist auf Zuwanderung angewiesen, denn kaum eine Entwicklung wird das Land in Zukunft so prägen wie der demografische Wandel: Die Geburtenrate ist zuletzt leicht gestiegen, liegt aber dennoch bei vergleichsweise niedrigen knapp 1,6 Kindern pro Frau. Zugleich steigt die gegenwärtig bei 81 Jahren liegende Lebenserwartung. Bis 2060 wird die Einwohnerzahl Deutschlands sinken – je nach Höhe der Zuwanderung auf bis zu 67,6 Millionen, so das Statistische Bundesamt. Der wachsende Anteil älterer Menschen stellt zugleich die sozialen Sicherungssysteme vor neue Herausforderungen.

Der sozioökonomische Wandel der vergangenen Jahre hat in Deutschland zum Entstehen neuer sozialer Risikolagen und zu einer sich abzeichnenden stärkeren Auffächerung der Gesellschaft nach ökonomischen Lebensverhältnissen geführt. Zwar waren 2019 so wenige Menschen arbeitslos wie zuletzt 1991 – im Durchschnitt rund 2,3 Millionen: Gleichwohl ist fast jeder Fünfte in Deutschland von Armut bedroht, speziell junge Menschen, Rentnerinnen und Rentner sowie Alleinerziehende sind gefährdet. Auch zwischen Ost und West gibt es weiterhin soziale Unterschiede.

Mit dem Zustrom von Flüchtlingen, der im Jahr 2015 seinen Höhepunkt hatte, gilt die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung als polarisierendes Thema. Rund 1,8 Millionen Menschen haben von 2015 bis 2019 in Deutschland Asylanträge gestellt, viele von ihnen suchen Schutz vor kriegerischen Konflikten und Verfolgung.