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Umwelt & Klima

Vorreiter in der Klimapolitik

Deutschland ist international ein Vorreiter beim Klimaschutz und ein Pionier beim Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Weltkugel in Händen
© Getty Images

Das 21. Jahrhundert gilt als „Jahrhundert der Umwelt“. Das bedeutet: In den nächsten Jahrzehnten entscheidet sich, wie stark sich die natürlichen Lebensbedingungen künftiger Generationen auf der Erde verändern. Als Hauptgefahr gilt vor allem ein beschleunigter Klimawandel. Der Winter 2019/2020 war in Deutschland der zweitwärmste seit Beginn flächendeckender Aufzeichnungen im Jahr 1881. Laut des Deutschen Wetterdienstes gibt es immer öfter Jahreszeiten mit deutlichen Abweichungen. Die globale Erwärmung habe diese Entwicklung zumindest verstärkt.

Umwelt- und Klimaschutz genießen in Deutschland seit Langem einen hohen Stellenwert. Die überwiegend von jungen Klimaaktivsten unterstützte weltweite Bewegung „Fridays for Future“ hat das Bewusstsein für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen noch forciert.

Anteil verschiedener Quellen an der Stromerzeugung in Deutschland 2018 (Bruttostromerzeugung in Prozent)

Quelle: Destatis

Ausstieg aus der Atomkraft

Mit dem als Energiewende bezeichneten Umbau des Energiesektors lässt Deutschland das fossil-nukleare Energiezeitalter hinter sich und ist auf dem Weg in eine nachhaltige Energiezukunft schon weit vorangekommen. Dazu gehört der sich sukzessiv vollziehende Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022. Als eines von wenigen Ländern hat Deutschland sich zudem verpflichtet, neben der Kern- auch aus der Kohleenergie auszusteigen. Sie gilt als einer der größten Verursacher klimaschädlicher CO2-Emissionen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung empfiehlt das Ende der Kohleverstromung bis 2038.

Bis 2030 will Deutschland seinen Ausstoß von Treibhausgasen um 55 Prozent gegenüber 1990 senken, bis 2040 sind mindestens 70 Prozent angestrebt, bis 2050 sollen 80 bis 95 Prozent erreicht werden. Im November 2016 hat Deutschland als einer der ersten Staaten im „Klimaschutzplan 2050“ entsprechende klimapolitische Grundsätze und Ziele festgelegt. Mit dem 2019/2020 verabschiedeten Klimaschutzpaket macht die Bundesregierung den Klimaschutz für alle Bereiche verbindlich. In dem Gesetz sind Einsparziele und Emissionsgrenzen etwa für Verkehr, Industrie, Gebäude und Landwirtschaft festgelegt. Bis 2018 ist bereits eine Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 30,8 Prozent erreicht worden.

Auch im globalen Rahmen engagiert sich die Bundesregierung für Umweltschutz, Zusammenarbeit in Energiefragen und klimafreundliche Entwicklung. Deutschland setzt sich gemäß dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 dafür ein, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Spätestens in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll weltweit eine weitgehende Treibhausgasneutralität erreicht sein. Dazu ist eine Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes in den Industrieländern um 80 bis 95 Prozent nötig. Die vollständige „Dekarbonisierung“ soll im Laufe des Jahrhunderts erreicht werden. Das UN-Sekretariat, das die Umsetzung der Klima-Rahmenkonvention überwacht, hat seinen Sitz in der Bundesstadt Bonn.

Deutschland unterstützt die EU-Kommission bei ihrem „European Green Deal“. Er sieht vor, dass die EU bis 2050 klimaneutral ist. Ein europäisches Klimaschutzgesetz soll das Ziel verbindlich machen. Um es zu erreichen, soll der CO2-Ausstoß in allen relevanten Wirtschaftsbereichen deutlich reduziert werden.

Entwicklung der CO2-Emissionen in Deutschland

(in Millionen Tonnen) Quelle: IEA

Umweltschutz als Staatsziel

Eine intakte Umwelt – reine Luft, saubere Gewässer, vielfältige Natur – ist Voraussetzung für eine hohe Lebensqualität. Der Umweltschutz ist seit 1994 als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Bei Luft- und Gewässerqualität belegen die Indikatoren seit Jahren eine deutliche Verbesserung. Der Ausstoß von Schadstoffen wie Schwefeldioxid und Stickoxiden ist stark zurückgegangen. Grund dafür sind unter anderem die höheren Abgasgrenzwerte für Fahrzeuge. Einige Städte haben zudem ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge eingeführt – entweder im gesamten Stadtgebiet oder in einzelnen Straßen. Trotzdem ist der Rückgang der Schadstoffe noch nicht ausreichend. Spürbar gesunken ist auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser – von in der Spitze über 140 auf rund 120 Liter pro Tag.

Deutschland unterstützt auch die Initiativen der EU, den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen. In ihrer Biodiversitätsstrategie bis 2030 legt die EU unter anderem neue Standards für Industrie, Handel und Landwirtschaft fest. Sie sollen den Rückgang der Biodiversität aufhalten und eine Basis für internationale Vereinbarungen bieten. Das Vorhaben knüpft an die Biodiversitätsstrategie bis 2020 an. Deren Halbzeitbilanz hatte ergeben, dass der Verlust der Artenvielfalt gemäß weltweiter Trends voranschreitet. Hier sehen die EU und Deutschland dringenden Handlungsbedarf.

Deutschland verfolgt die Strategie, Wirtschaftswachstum und Umweltschutz im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens zusammenzuführen. Zentrale Stellhebel dafür sind neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie die intelligente Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Es ist eine Strategie mit doppelter Dividende. Denn einerseits sinkt die Umwelt- und Klimabelastung, während andererseits neue Geschäftsfelder und Arbeitsplätze entstehen.