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Attraktive Sprache

Deutsch ist die am häufigsten gesprochene Muttersprache in der EU. In vielen Ländern steigt das Interesse Deutsch zu lernen rasant.
Jahr der deutschen Sprache in Russland
© picture alliance/dpa

Deutsch gehört zu den rund 15 germanischen Sprachen, einem Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Knapp 130 Millionen Menschen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Belgien, Liechtenstein und Südtirol (Italien) sprechen Deutsch als Muttersprache oder als regelmäßig benutzte Zweitsprache. Es ist damit die am häufigsten gesprochene Muttersprache in der Europäischen Union und belegt Platz 11 der am meisten gesprochenen Sprachen weltweit. Die 2020 veröffentlichte Studie „Deutsch als Fremdsprache welt­weit“ spricht von 15,5 Millionen Menschen, die aktuell Deutsch als Fremdsprache lernen.

Ein Grund für die gemessen an der Sprecherzahl überproportionale Bedeutung des Deutschen liegt in der starken Ökonomie begründet, die der Sprache eine hohe Attraktivität verleiht. Sie bildet die Basis einer aktiven Sprachverbreitungspolitik, die Sprachlehr­einrichtungen im In- und Ausland unterstützt, Stipendien bereitstellt oder Studienangebote für international mobil Studierende anbietet. Dies zeigt das deutlich steigende Interesse an Deutsch speziell in Asien, vor allem in China.

Auch in Afrika wächst die Nachfrage stark – dort gab es seit der vorhergehenden Studie 2015 eine Zunahme bei den Deutschlernerinnen und -lernern um fast 50 Prozent. Gleichzeitig fehlen an vielen Orten Deutschlehrerinnen und -lehrer. Deren Qualifizierung stärkt das Auswärtige Amt deshalb über gezielte Programme der Mittlerorganisationen wie „Dhoch3“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) oder „Deutsch Lehren Lernen“ des Goethe-Instituts.

Steigendes Interesse an digitalen Lernangeboten

Wichtige Institutionen des Deutschlernens sind die 140 Deutschen Auslandsschulen sowie die fast 2.000 Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, die in die Partnerschul­initiative des Auswärtigen Amts „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) einbezogen sind. An den Sprachkursen des Goethe-Instituts, das in mehr als 90 Ländern Deutsch als Fremdsprache und Sprachprüfungen anbietet, nehmen laut der aktuellen Erhebung rund 309.000 Menschen teil – rund 73.000 mehr als fünf Jahre zuvor. Die Zunahme führen die Verantwortlichen der Studie auf die wachsende Bedeutung der sprachlichen Qualifizierung von Fachkräften zurück. Angesichts des 2020 in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, das die Zuwanderung von Qualifizierten aus Nicht-EU-Ländern erleichtert, ist ein weiterer Anstieg zu erwarten.

Zugenommen hat auch die Nachfrage nach digitalen Sprachlernangeboten. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung noch verstärkt. Die Lernplattform des Goethe-Instituts etwa verzeichnete im Mai 2020 rund 1,2 Millionen Zugriffe. Im gleichen Monat des Vorjahres waren es lediglich 326.000. Die Nutzung der Online-Kurse der Deutschen Welle hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt, auf 4,2 Millionen Zugriffe.

Deutsch in der Wissenschaft

Die Relevanz der deutschen Sprache als internationale Wissenschaftssprache lässt tendenziell nach. In den Naturwissenschaften wird der globale Publikationsanteil von Deutsch von bibliografischen Datenbanken mit einem Prozent ausgewiesen. Über eine größere und traditionelle Bedeutung als Wissenschaftssprache verfügt Deutsch in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Nicht-deutschsprachige Wissenschaftler publizieren allerdings nur noch ausnahmsweise auf Deutsch. Dagegen veröffentlichen deutschsprachige Forscher intensiv auf Englisch, besonders in den Naturwissenschaften.

Die Globalisierung übt Druck auf alle internationalen Sprachen aus, und Englisch als Weltsprache wird dadurch deutlich gestärkt. Dennoch wird Deutsch weiterhin eine wichtige internationale Sprache bleiben.