Direkt zum Inhalt

Plurale Lebensformen

Neue Formen des Zusammenlebens prägen die deutsche Gesellschaft. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird gezielt gefördert.
Familie
© Kanea/stock.adobe.com

Auch in der individualisierten und hoch mobilen Welt des 21. Jahrhunderts kommt der Familie eine zentrale Bedeutung zu. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2019 weisen mehr als drei Viertel der Bevölkerung (77 Prozent) der Familie den ersten Rang in ihrem Leben zu. Gleichzeitig verändert sich die Vorstellung darüber, wie eine Familie typischerweise aussieht, zunehmend. Nur knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt noch in einer Familie. Trotz der rückläufigen Entwicklung traditioneller Familienstrukturen waren Ehepaare mit minderjährigen Kindern 2019 mit knapp 70 Prozent die häufigste Familienform. Die Zahl der Eheschließungen stieg zuletzt wieder leicht, 2019 lag sie bei etwas mehr als 416.000. Wegen der Corona-Pandemie gingen die Zahlen im ersten Halbjahr 2020 deutlich zurück.

Etwas mehr als jede dritte Ehe wird wieder geschieden. Die durchschnittliche Dauer der 2019 geschiedenen Ehen betrug knapp 15 Jahre. Etwas mehr als 50.000 Ehen wurden 2019 zwischen Deutschen und Ausländerinnen oder Ausländern geschlossen.

Mehr unverheiratete Paare mit Kindern

Deutlich steigt die Zahl der Paare mit Kindern in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Zwischen 1999 und 2019 verdoppelte sich ihr Anteil an den heute 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern; mehr als jedes zehnte Paar mit Kind ist unverheiratet. Familien mit nur einem Elternteil sind eine ebenfalls wachsende Familienform: Alleinerziehende bilden inzwischen fast ein Fünftel aller Eltern-Kind-Konstellationen. Fast neun von zehn der 1,5 Millionen Alleinerziehenden sind Frauen. Alleinerziehende sind häufig erheblichen Armutsrisiken ausgesetzt, rund 38 Prozent von ihnen beziehen staatliche Unterstützungsleistungen.

Zu den an Bedeutung gewinnenden Lebensformen gehören die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. 2019 wohnten in Deutschland 142.000 homosexuelle Paare zusammen – über die Hälfte mehr als zehn Jahre zuvor. Rund 34.000 von ihnen leben in einer eingetragenen Partnerschaft, die seit 2001 gleichgeschlechtlichen Paaren eine rechtliche Absicherung ihrer Beziehung ermöglicht. 2017 beschloss der Bundestag die sogenannte Ehe für alle. Homosexuelle Paare haben jetzt das Recht auf eine vollwertige Eheschließung und damit beispielsweise auch auf die Adoption von Kindern. Heute gibt es rund 52.000 gleichgeschlechtliche Ehepaare.

Während einerseits neue Formen des Zusammenlebens entstehen, wächst die Zahl der Ein-Personen-Haushalte. 42 Prozent aller Privathaushalte sind Single-Haushalte. Diese Entwicklung ist einerseits Folge des demografischen Wandels, durch den sich die Zahl der alleinlebenden älteren Menschen erhöht, andererseits leben auch mehr junge Menschen als Single.